BioWare wird geschlossen

Nach mehr als drei Jahrzehnten wird das für seine Rollenspiele bekannte Studio „BioWare“ geschlossen. In den sozialen Netzwerken bestätigte das Studio außerdem, dass die Arbeiten an einem neuen „Mass Effect“-Projekt eingestellt werden, das sich noch in einer frühen Entwicklungsphase befand. Das von einigen Fans als „Mass Effect 5“ bezeichnete Spiel trug offiziell nicht diesen Namen.

Die Mitteilung erfolgte nur wenige Monate nach der Übernahme von EA für 55 Milliarden US-Dollar. Gleichzeitig berichtet „Bloomberg“ über weiterreichende Pläne des Publishers zum Stellenabbau. Die rund 400 Arbeitsplätze, die voraussichtlich wegfallen sollen, betreffen jedoch den gesamten EA-Konzern und nicht nur „BioWare“.

„Mass Effect 5“ – ein inoffizieller Projektname

In seiner Abschiedserklärung teilte „BioWare“ mit, dass die Entwicklung des nächsten „Mass Effect“-Projekts beendet werde, das sich noch in einer frühen Produktionsphase befand. Diese Formulierung deutet darauf hin, dass die Arbeiten an dem Projekt tatsächlich noch nicht weit fortgeschritten waren.

Die Bezeichnung „Mass Effect 5“ wurde lediglich inoffiziell verwendet – ein Teil der Fans nannte den kommenden Serienteil so. Daher sollte der Name nicht als vom Studio bestätigter Titel verstanden werden. Die offizielle Mitteilung bestätigt lediglich, dass ein neues „Mass Effect“-Projekt in Arbeit war und dessen Entwicklung nun eingestellt wird.

Nach Einschätzung von „Eurogamer“ war das Projekt offenbar noch nicht bereit, in die vollständige Produktionsphase überzugehen. Bis zur Nachricht über die Schließung des Studios hatte „BioWare“ noch versichert, dass das neue „Mass Effect“ weiterhin entwickelt werde. Die aktuelle Erklärung bestätigt nun eindeutig, dass die Arbeit an diesem Projekt nicht fortgesetzt wird.

Vollständige Schließung statt einer weiteren Runde des Stellenabbaus

Diesmal geht es nicht nur um den Wegfall einzelner Stellen oder die Einstellung eines bestimmten Spiels. „BioWare“ selbst gab bekannt, dass das Studio geschlossen wird. In der Abschiedsbotschaft stand vor allem das Team im Mittelpunkt, das die Spiele des Studios entwickelt hat, sowie die gegenseitige Unterstützung während der Übergangsphase.

Konkrete Hilfsmaßnahmen für die Beschäftigten wurden in der Erklärung nicht näher ausgeführt. Das Studio beschränkte sich auf die Aussage, dass die Priorität nun bei seinem talentierten Team und der Unterstützung der Menschen während dieser Veränderungen liege. Eine ausführlichere offizielle Erklärung dafür, warum man sich für die vollständige Schließung des Studios entschieden hat, wurde ebenfalls nicht genannt.

Entscheidung nach der 55 Milliarden Dollar schweren Übernahme von EA

„BioWare“ stellt seinen Betrieb kurz nach dem Kontrollwechsel bei seinem Eigentümer EA ein. Der Publisher wurde im Sommer für 55 Milliarden US-Dollar von einer Investorengruppe übernommen, zu der die Investmentgesellschaft „Silver Lake“, die Private-Equity-Gruppe „Affinity Partners“ und der saudi-arabische Staatsfonds gehören.

„Affinity Partners“ wird von Jared Kushner, dem Schwiegersohn von Donald Trump, geleitet. Laut „Eurogamer“ waren nach einer Transaktion dieser Größenordnung Entlassungen bei „BioWare“ erwartet worden. Die vollständige Schließung des Studios, die nur wenige Monate nach der Übernahme von EA bekannt gegeben wurde, stellt jedoch eine deutlich einschneidendere Veränderung dar.

„Bloomberg“ berichtet außerdem, dass EA konzernweit rund 400 Stellen streichen will. Das entspräche etwa 3 Prozent der gesamten Belegschaft von EA. Diese Zahl sollte nicht mit der möglichen Größe des „BioWare“-Teams verwechselt werden, da sich der Bericht auf die geplanten Entlassungen im gesamten Geschäft des Publishers bezieht.

Die EA-Führungskräfte David Tinson und Cam Weber erklärten in einem Schreiben an die Beschäftigten, das Unternehmen treffe wohlüberlegte Entscheidungen über die Verteilung von Talenten und Investitionen. Nach Angaben der Führungskräfte werden die Ressourcen dort gebündelt, wo EA die größten Chancen für die Spieler und für langfristiges Wachstum sieht. „Bloomberg“ konnte das Schreiben einsehen.

Das Studio kämpfte bereits in den vergangenen Jahren mit Schwierigkeiten

Die Schließung wurde nach einer schwierigen Phase für „BioWare“ bekannt gegeben. Das Experiment des Studios mit dem auf einem Live-Service-Modell basierenden „Anthem“ erwies sich schnell als Fehlschlag. Das jüngste Spiel des Studios, „Dragon Age: The Veilguard“, blieb hinter den internen Verkaufserwartungen von EA zurück. Nach diesem Ergebnis folgte bei dem Studio eine weitere Runde von Entlassungen.

Diese Ereignisse bilden den unmittelbaren Hintergrund der Schließung, wurden in der Erklärung von „BioWare“ selbst jedoch nicht als direkte Begründung für die Entscheidung angeführt. In seiner Abschiedsbotschaft sprach das Studio vor allem über die Entwickler, die Spieler und das in mehr als 30 Jahren aufgebaute Vermächtnis.

„BioWare“ verabschiedete sich mit einem Rückblick auf seine wichtigsten Spiele

In der Mitteilung beschrieb sich das Studio als einen Ort, der mehr als drei Jahrzehnte lang Geschichtenerzähler, Entwickler und die Spieler zusammengebracht habe, die den erschaffenen Welten ihre Unterstützung gaben. Zu den bedeutendsten Werken von „BioWare“ zählte das Studio „Baldur’s Gate“, „Neverwinter Nights“, „Star Wars: Knights of the Old Republic“, „Dragon Age“, „Mass Effect“ und „Anthem“.

In der Abschiedsbotschaft wurde auch die Rolle des Publikums hervorgehoben. Das Studio dankte den Menschen, die seine Spiele gespielt, über ihre Entscheidungen diskutiert, Figuren ins Herz geschlossen und die erschaffenen Geschichten auf ihre eigene Weise erlebt haben. Laut „BioWare“ war es genau diese Verbindung, die dazu beitrug, dass seine Spiele mehr wurden als nur das Werk eines Entwicklerteams.