Modern Warfare 4 Kampagne

Über „Call of Duty: Modern Warfare 4“ lässt sich bislang eigentlich nur mit einiger Sicherheit im Hinblick auf die Einzelspieler-Kampagne sprechen. Der Autor der Quelle verbrachte während einer dreitägigen Veranstaltung in Los Angeles rund 24 Stunden mit dem Spiel und probierte dabei die Kampagne, den Mehrspielermodus und DMZ aus, vergab jedoch noch keine abschließende Wertung. Seiner Ansicht nach lässt sich der Stellenwert dieses „Call of Duty“ innerhalb der Reihe erst dann angemessen beurteilen, wenn man das Spiel gemeinsam mit der breiten Spielerschaft erlebt hat.

Daher sollte man die Beurteilung auf eine Frage beschränken: Wirkt die etwa sechsstündige Kampagne lohnenswert? Den geschilderten Eindrücken zufolge ja – sofern man von „Call of Duty“ vor allem groß angelegte, sorgfältig inszenierte Militär-Action und eine Geschichte über Soldaten erwartet, die sich nicht unverwundbar fühlen. Allerdings ist die Kampagne nicht durchgehend gleich stark. Die Geschichte des neuen Trupps südkoreanischer Marines hinterließ einen deutlich besseren Eindruck als die Fortsetzung der Handlung rund um Captain Price.

Die wichtigste Veränderung betrifft nicht das Ausmaß der Schlachten, sondern ihre Beteiligten

„Modern Warfare 4“ wurde als Abschluss der 2019 begonnenen „Modern Warfare“-Geschichte vorgestellt, funktioniert aber ausgerechnet dann nicht am besten, wenn bekannte Gesichter aus dieser Handlung zurückkehren. Mehr als die Hälfte der rund sechsstündigen Kampagne verbringt der Spieler mit jungen südkoreanischen Marines und einigen Amerikanern. Sie stehen kurz vor dem Ende ihres verpflichtenden Militärdienstes, als Nordkorea einen Angriff beginnt.

Diese Perspektive rückt die Kampagne näher an ältere Geschichten der Reihe heran, in denen der Spieler einer von vielen Beteiligten in einem großen Krieg war und nicht ein Elite-Operator, der ständig die Welt rettet. Die Mitglieder des neuen Trupps bedienen erkennbare Archetypen: Unter ihnen befinden sich ein ernster Soldat, ein wortkarger Charakter und ein Amerikaner, der jeden stillen Moment mit einem Witz füllt. Dennoch wirkten sie auf den Autor von PC Gamer sympathisch genug, dass er sich ihre Namen merkte.

Diese Entscheidung wirkt sich unmittelbar auf die Atmosphäre der Schlachten aus. Die Figuren der Kampagne haben die Lage nicht immer unter Kontrolle und verbergen ihre Angst nicht, während ihre Seite den angreifenden Streitkräften mitunter deutlich unterlegen ist. Dadurch erhalten die großen Actionsequenzen einen anderen Kontext: Sie zeigen nicht nur eine effizient ausgeführte Spezialoperation, sondern auch den Versuch, in einem größeren Konflikt zu überleben, den ein einzelner Soldat nicht kontrollieren kann.

Die Kampagne bietet zwei unterschiedliche Formen von Action

Die markantesten Abschnitte von „Modern Warfare 4“ lassen sich in große, chaotische Schlachten und eine deutlich offenere Mission hinter den feindlichen Linien unterteilen. Für die erste Richtung stehen vor allem „Mayhem“ und „Losing Ground“. Darin versuchen südkoreanische und amerikanische Streitkräfte, die fiktive Stadt Hajin zu halten, obwohl ihre Verteidigung zum Scheitern verurteilt scheint und der Gegner zahlenmäßig überlegen ist. Die Angst der Figuren und der permanente Druck heben diese Missionen von neueren Geschichten über erfahrene Spezialisten ab.

„Counter Attack“ steigert den Maßstab noch weiter und bietet einen massiven Angriff am Strand. Dem Autor zufolge handelt es sich um eine aufwendige Szene, an der sich erkennen lässt, welche Ressourcen in die Kampagne geflossen sind. Zusammen mit den prachtvollen Zwischensequenzen und der insgesamt hervorragenden Schussmechanik bilden solche Abschnitte den traditionellsten, zugleich aber auch einen der stärksten Teile der Kampagne.

Für den Spieler bedeutet das, dass ein Großteil des Reizes nicht aus einer völlig neuen „Call of Duty“-Formel entsteht. Die Stärke der Kampagne liegt in ihrer Fähigkeit, vertraute Militär-Action im passenden Maßstab und mit Figuren zu präsentieren, die menschlicher auf Gefahren reagieren als die üblichen Supersoldaten der Reihe. Wer vor allem inszenierte Feuergefechte und große Angriffe sucht, findet diese Seite der Kampagne in den vorliegenden Eindrücken positiv bewertet.

„Stranded“ verändert das Tempo und bietet mehr Entscheidungsfreiheit

Am weitesten entfernt sich „Stranded“ von der traditionellen Struktur. Parks Trupp landet nach einer Notlandung hinter den feindlichen Linien in Nordkorea. Die mehrere Stunden dauernde Mission bietet drei nicht lineare Ziele, zusätzliche Aufgaben und ein Versteck, in dem bessere Rüstungen, Waffen und Tarnungen hergestellt werden können.

Nach den lauten Stadtschlachten fällt dieser Abschnitt ruhiger und abgeschiedener aus. Die Reihenfolge der Ziele lässt sich frei wählen, weshalb die Mission vorübergehend nicht nur das Tempo der Kampagne, sondern auch deren gewohnte Struktur verändert. Der Autor von PC Gamer verglich sie mit einem kleinen „Far Cry“-Abschnitt innerhalb einer „Call of Duty“-Kampagne. Zunächst erschien ihm der Wechsel etwas abrupt, letztlich entwickelte sich „Stranded“ jedoch zu einem der markantesten Abschnitte der gesamten Geschichte.

In der Mission kommt das aus DMZ bekannte Loot-System zum Einsatz. Das hätte den Verdacht wecken können, dass die Einzelspieler-Inhalte erneut an einen anderen Modus angepasst wurden. Dem Autor wurde jedoch erklärt, dass die Karte von „Stranded“ speziell für die Kampagne erstellt wurde. Das aus DMZ übernommene System wird hier also für eine eigenständige Einzelspieler-Mission verwendet, anstatt lediglich ein bereits vorhandenes Mehrspielergebiet zu übernehmen.

Das ist ein wichtiger Aspekt für alle, denen frühere Versuche missfielen, die Kampagnen von „Call of Duty“ stärker an „Warzone“ anzunähern. Den vorliegenden Eindrücken zufolge ist „Stranded“ kein beliebiger Einschub aus einem anderen Modus. Die Mission räumt Parks Trupp mehr Zeit ein, erlaubt das Erledigen der Aufgaben in einer nicht vorgegebenen Reihenfolge und nutzt das Sammeln von Beute sowie die Herstellung von Gegenständen für die konkreten Anforderungen dieser Mission.

Die Rückkehr von Price stärkt die Kampagne nicht, sondern spaltet sie

Die starke Geschichte der südkoreanischen Marines verdeutlicht zugleich das Hauptproblem der Kampagne: Nicht die gesamte Erzählung ist dem neuen Trupp gewidmet. Seine Erlebnisse verlaufen parallel zu einer weitgehend eigenständigen Handlung rund um Captain Price. Aufgrund der Ereignisse aus „Modern Warfare 3“ wird Price als Flüchtiger gesucht, und der neue Teil liefert für alle, die die vorherige Geschichte nicht gesehen haben, eine ausführliche Zusammenfassung.

In den Abschnitten mit Price versucht das Spiel, eine dunklere Seite der Figur zu zeigen, wiederholt dabei aber zugleich vertraute Actionsequenzen: eine Schießerei während einer Verfolgungsjagd mit Autos, eine Verfolgung zu Fuß mit Sprüngen und einen filmreif inszenierten Messerkampf. Auf den Autor der Quelle wirkten diese Teile nicht besonders einprägsam. Seiner Einschätzung nach verschwanden sie fast ebenso schnell aus dem Gedächtnis, wie sie vorüber waren.

Noch überraschender ist, dass Price sich in der zweiten Hälfte der Kampagne im Grunde zurückzieht und nie auf den südkoreanischen Trupp trifft, den der Autor als die eigentlichen Helden der Geschichte betrachtet. Dadurch wirken die beiden Teile der Kampagne nicht nur unterschiedlich interessant, sondern auch unzureichend miteinander verbunden. Es entsteht der Eindruck, dass die Szenen mit der bekannten Figur aufgenommen wurden, um die Erwartungen der Fans zu erfüllen, obwohl sich die Entwickler stärker für die neue Soldatengruppe interessierten.

Das ist besonders relevant für Spieler, die auf das Finale der seit 2019 entwickelten Geschichte warten. Obwohl „Modern Warfare 4“ als Abschluss dieser Erzählung vorgestellt wurde, wirkte die Handlung um Price auf den Autor der Quelle in der Praxis eher wie der eilige Versuch, die verbliebenen Handlungsfäden zu einem Ende zu bringen. Auch Mads Mikkelsen hätte demnach zu einer bedrohlichen Figur werden können, doch die Kampagne widmet ihm nicht genügend Zeit.

Das Kriegserlebnis überzeugt mehr als seine politische Erklärung

Die Ausgangslage der Kampagne basiert auf einem Angriff Nordkoreas, die Quelle warnt jedoch davor, eine komplexe geopolitische Erzählung zu erwarten. Der Konflikt wird aus der üblichen amerikanischen Perspektive dargestellt, die Figuren aufseiten der CIA bleiben die „Guten“, und die im Hintergrund stehende Beteiligung einer Supermacht folgt einem vertrauten Genremuster.

In der Praxis bedeutet das, dass die Stärken der Kampagne in den Erlebnissen einzelner Soldaten, ihrer Angst und der Inszenierung der Schlachten liegen – nicht in einer vielschichtigen Auseinandersetzung mit dem internationalen Konflikt. Spieler, denen politische Nuancen wichtig sind, sollten diese Einschränkung berücksichtigen. Andererseits liefert die Quelle keinen Grund für die Annahme, dass dieses Problem die gesamte Kampagne überschattet. Es wird vielmehr als schwächerer Teil der Erzählung neben den gelungenen militärischen Abschnitten beschrieben.

Für wen könnte diese Kampagne die Zeit wert sein?

  • Für alle, die Kampagnen über gewöhnliche Soldaten vermissen. Mehr als die Hälfte der Geschichte begleitet man einen jungen Trupp, dessen Mitglieder in einem großen Konflikt nicht als Elite-Operator dargestellt werden, die alles unter Kontrolle haben.
  • Für Fans groß angelegter Militärsequenzen. Die Verteidigung der Stadt Hajin und der Angriff am Strand nutzen die Fähigkeit von „Call of Duty“, laute, teuer aussehende und sorgfältig inszenierte Schlachten zu erschaffen.
  • Für alle, die traditionelle Kampagnen-Action und eine offenere Mission wollen. Die Kampagne enthält vertraute, inszenierte Actionabschnitte, während „Stranded“ nicht lineare Ziele, zusätzliche Aufgaben, das Sammeln von Beute und die Herstellung von Gegenständen bietet.
  • Für Spieler, denen wichtig ist, dass die Kampagne nicht nur eine pflichtgemäße Dreingabe darstellt. Der Autor von PC Gamer erklärt, dies sei für ihn die unterhaltsamste „Call of Duty“-Kampagne seit vielen Jahren gewesen und sie wirke endlich nicht mehr wie zweitrangiger Inhalt.
  • Für alle, die sich weniger Einfluss von „Warzone“ und „Zombies“ wünschen. Obwohl eine Mission das Loot-System aus DMZ verwendet, wurde ihre Karte speziell für die Kampagne erstellt. Nach Einschätzung des Autors wird das Gesamterlebnis zudem nicht von den anderen Modi überschattet.

Was könnte den Spaß an der Geschichte beeinträchtigen?

  • Die Erwartung eines starken Finales für Price. Seine Abschnitte werden als weniger einprägsam als die Geschichte von Parks Trupp beschrieben, und die Handlung selbst tritt in der zweiten Hälfte der Kampagne fast vollständig in den Hintergrund.
  • Der Wunsch nach einer zusammenhängenden Erzählung. Die beiden parallel verlaufenden Geschichten sind nicht gleich stark und finden nicht auf sinnvolle Weise zusammen.
  • Die Suche nach einer politisch komplexen Geschichte. Die Ausgangslage des nordkoreanischen Angriffs und der größere internationale Konflikt werden vereinfacht dargestellt.
  • Der Wunsch, „Modern Warfare 4“ als Ganzes zu beurteilen. Die vorliegende Quelle enthält weder eine ausführliche Analyse des Mehrspielermodus noch von DMZ. Die Qualität der Kampagne lässt sich daher nicht automatisch mit der Qualität des gesamten Spiels gleichsetzen.

Was wissen wir noch nicht?

Die Quelle nennt weder den Preis des Spiels noch eine Liste der Plattformen und liefert auch keine ausführliche Bewertung des technischen Zustands. Ebenso lässt sich nicht beurteilen, wie sich der Mehrspielermodus im Zusammenspiel mit der breiten Spielerschaft schlagen wird. Obwohl der Autor während der dreitägigen Veranstaltung rund 24 Stunden an einer Vorab-Session teilnahm, verschob er seine endgültige Bewertung bewusst auf die Zeit nach der Veröffentlichung.

Diese Unbekannten sind für eine Entscheidung über das gesamte Spiel von Bedeutung. Die etwa sechsstündige Kampagne kann für sich genommen attraktiv sein, doch ohne Informationen zum Preis und Bewertungen der anderen Modi lässt sich der Gesamtwert von „Modern Warfare 4“ nicht zuverlässig bestimmen. Ebenso gibt es keine Grundlage für Schlussfolgerungen hinsichtlich der Performance, möglicher Fehler oder der Unterschiede zwischen den Plattformen.

Lohnt es sich, jetzt zu spielen?

Nach den derzeit vorliegenden Informationen wirkt die Kampagne von „Modern Warfare 4“ für alle interessant, die eine eigenständige Einzelspieler-Geschichte von „Call of Duty“ vermisst haben. Ihre stärksten Argumente sind die Perspektive der südkoreanischen Marines, die groß angelegten Schlachten, die hervorragende Schussmechanik und die Mission „Stranded“, die mehr Freiheit als die üblichen linearen Abschnitte bietet. Für den Autor von PC Gamer war es die unterhaltsamste Kampagne der Reihe seit vielen Jahren.

Dennoch ist das keine uneingeschränkte Empfehlung für das gesamte Spiel. Die Geschichte von Price wird als schwächer beschrieben und bringt frühere Handlungsfäden überstürzt zu Ende, während es der politischen Seite des Konflikts an Nuancen mangelt. Wenn das Finale von Captain Price der Hauptgrund zum Spielen ist, legen die bisherigen Eindrücke nahe, die Erwartungen zu dämpfen.

Wenn die Entscheidung vom Mehrspielermodus, von DMZ, vom technischen Zustand oder vom allgemeinen Verhältnis zwischen Umfang und Preis abhängt, reicht die Quelle für eine endgültige Antwort nicht aus. In diesem Fall wäre es vernünftiger, eine ausführlichere Bewertung nach der Veröffentlichung abzuwarten. Das derzeitige vorsichtige Fazit ist einfach: Für Kampagnenfans gibt es Grund zum Interesse, die Qualität von „Modern Warfare 4“ als Ganzes wurde jedoch noch nicht bewertet.