Die Zahlen auf dem US-Konsolenmarkt sind auf Tiefstände gefallen, wie sie seit Langem nicht mehr zu beobachten waren. Nach Angaben von Mat Piscatella, Analyst beim Marktforschungsunternehmen Circana, sank der Umsatz mit Xbox-Hardware im Land gegenüber dem Vorjahr um 33 Prozent. Die Zahl der verkauften PlayStation-Konsolen lag im selben Zeitraum 25 Prozent niedriger.
Für Xbox-Hardware bedeuten diese Ergebnisse für den Zeitraum von Januar bis August 2026 ein neues Allzeittief in den USA. Bei PlayStation handelt es sich um den schlechtesten Wert seit 2013. Piscatella beurteilt die aktuelle Lage als äußerst ernst: Seiner Einschätzung nach war der US-Markt für Gaming-Hardware seit Anfang der 1980er-Jahre nicht mehr so anfällig.
Durchschnittliche Konsolenpreise in den USA erreichen Rekordhöhen
Der Analyst bringt den Absatzrückgang mit den gestiegenen Konsolenpreisen in Verbindung. Zwischen Anfang 2026 und Ende August zahlten Käufer in den USA durchschnittlich 529 US-Dollar für eine neue Xbox-Konsole. Das sind 26 Prozent mehr als ein Jahr zuvor und zugleich der bislang höchste durchschnittliche Xbox-Preis auf diesem Markt.
Der Durchschnittspreis einer verkauften PlayStation-Konsole erreichte 597 US-Dollar – 20 Prozent mehr als im Vorjahr. Auch das ist ein neuer Rekord für den US-Markt. Diese Zahlen geben den Betrag an, den Verbraucher durchschnittlich für neue Konsolen gezahlt haben, und nicht den Preis eines einzelnen konkreten Konsolenmodells.
Den höheren Durchschnittspreisen stehen ein Rückgang der Xbox-Hardwareumsätze um 33 Prozent und eine um 25 Prozent gesunkene Zahl verkaufter PlayStation-Konsolen gegenüber. Piscatella erklärte, dass die Preissensibilität der Verbraucher zu einem realen Problem für den Markt werde.
Der Vergleich mit den frühen 1980er-Jahren ist keine Prognose für einen Marktzusammenbruch
Der von Piscatella gewählte historische Vergleich ist deshalb bedeutsam, weil der US-Videospielmarkt Anfang der 1980er-Jahre einen schweren Zusammenbruch erlebte. Der Analyst behauptet jedoch nicht, dass die aktuelle Situation zwangsläufig im selben Szenario enden wird. Seine Einschätzung beschreibt vielmehr die derzeitige Anfälligkeit des Hardwaremarktes, die sich in rückläufigen Zahlen und rekordhohen Durchschnittspreisen zeigt.
Die Daten zu Xbox und PlayStation werden außerdem nicht nach vollkommen identischen Maßstäben ausgewiesen. Bei Xbox ist von einem Rückgang der Hardwareumsätze um 33 Prozent die Rede, bei PlayStation dagegen von einer um 25 Prozent niedrigeren Zahl verkaufter Konsolen. Daher sollten diese Prozentwerte nicht zu einer gemeinsamen Absatzkennzahl für beide Hersteller zusammengefasst werden.
KI-Rechenzentren treiben die Nachfrage nach Speicherkomponenten an
PS5 und Xbox Series X/S kosten in vielen Märkten inzwischen mehr als früher. Als einer der wichtigsten Gründe für diese Preissteigerungen wird in der Quelle die Nachfrage nach Speicherkomponenten genannt: Ein großer Teil davon wird von Rechenzentren für künstliche Intelligenz beansprucht. Um dieselben Komponenten konkurrieren auch Hersteller von Unterhaltungselektronik.
Die Preissteigerungen beschränken sich nicht auf Geräte von Sony und Microsoft. In den vergangenen Jahren sind die Preise in verschiedenen Kategorien der Unterhaltungselektronik gestiegen. Auch die Preise von PS5, Switch 2 und Xbox Series X/S wurden angehoben, in einigen Fällen sogar mehr als einmal.
Die Verfügbarkeit von Speicherkomponenten könnte nicht nur die Preisgestaltung, sondern auch den Produktionsumfang der Konsolen beeinflussen. Sollte ein großer Teil der Arbeitsspeicherkomponenten für KI-Rechenzentren reserviert werden, könnten Microsoft und Sony möglicherweise nicht so viele Konsolen herstellen, wie sie verkaufen könnten. Dies wird als mögliches Risiko angeführt und nicht als Bestätigung dafür, dass beide Unternehmen bereits mit einem konkreten Konsolenmangel konfrontiert sind.
Ein baldiges Ende des Komponentenengpasses ist nicht zu erwarten
Der CEO von Micron warnte, dass der Mangel an Speicherkomponenten voraussichtlich mindestens bis 2028 anhalten werde. Diese Prognose bedeutet, dass Konsolenhersteller noch einige Zeit in einem Markt agieren müssen, in dem der Ausbau der KI-Infrastruktur erheblichen Druck auf das Angebot an Speicherkomponenten ausübt.
Auch Xbox-Managerin Asha Sharma hatte zuvor über steigende Kosten gesprochen. Ihren Angaben zufolge wurde im Februar für Datenspeicherkomponenten von Konsolen mehr als doppelt so viel bezahlt wie im Herbst zuvor. Später verdoppelten sich diese Kosten noch einmal.
Für das Weihnachtsgeschäft 2027 wird mit einem weiteren deutlichen Anstieg gerechnet, durch den die Preise dieser Komponenten mehr als das Fünffache des Betrags erreichen würden, der zwei Jahre zuvor gezahlt wurde. Dieser Vergleich bezieht sich auf die von Xbox gezahlten Einkaufspreise für Komponenten und nicht auf den endgültigen Konsolenpreis für Verbraucher. Dennoch könnte ein derartiger Anstieg der Komponentenkosten erklären, warum es für Hardwarehersteller immer schwieriger wird, die Endpreise zu senken.
GTA 6 könnte den Rückgang abfedern, doch die Wirkung hängt von Preisen und Verfügbarkeit ab
Als möglicher Impuls für den Konsolenmarkt gilt die Veröffentlichung von GTA 6, die zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Quelle für den darauffolgenden Monat erwartet wurde. Piscatella schloss nicht aus, dass der Release eines Spiels dieser Größenordnung den aktuellen Rückgang der Konsolenverkäufe zumindest teilweise abfedern könnte.
Nach Einschätzung des Analysten wird die mögliche Wirkung von GTA 6 von den Konsolenpreisen und ihrer Verfügbarkeit abhängen. Die Veröffentlichung des Spiels wird daher als mögliche Unterstützung für den Hardwaremarkt betrachtet und nicht als Garantie für eine Trendwende bei den aktuellen Zahlen.
